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60 seconds of my life

60 Sekunden freier Fall in den Lüften über Wollongong...

Dass ich in Australien Fallschirmspringen möchte, wusste ich schon ziemlich lange. Gebucht hatte ich aber noch nichts und an einem Samstag habe ich zu meinem Freund gesagt, dass wir doch langsam mal buchen sollten. Ich dachte nämlich, dass man das Wochen vorher machen muss. Zum Spaß meinte er: "Lass uns doch morgen Fallschirmspringen!" Daraufhin ist mir eingefallen, dass am Tag darauf extrem gutes Wetter angesagt ist. Ich habe im Internet einen Anbieter gesucht und geschaut, ob für den nächsten Tag noch Termine frei sind. Eine halbe Stunde später hatte ich unseren Fallschirmsprung für den nächsten Tag, 10 Uhr morgens, gebucht.

 

Ich war dann auch sehr froh, dass ich so spontan gebucht hatte, da selbst diese eine Nacht mir zu viel Zeit war, um aufgeregt zu sein. Am nächsten Morgen ging es dann los. Da Wollongong doch recht weit von Sydney entfernt ist, mussten wir bereits um 6 Uhr den Bus nehmen. Nach 3 Stunden Fahrt erreichten wir Wollongong. Auf dem Weg zum Anbieter sind wir am schönen Strand von Wollongong entlang gelaufen und haben noch etwas gegessen. Mit leerem Magen aus dem Flugzeug zu springen schien mir dann doch nicht die beste Idee. Wie vorhergesagt, war das Wetter einfach fantastisch. Bei 35 Grad und strahlendem Sonnenschein stieg die Vorfreude auf die Aussicht von oben, aber genauso stieg auch die Aufregung von Minute zu Minute.

Als wir bei dem Gebäude von "Skydive Australia", dem Anbieter den wir ausgewählt hatten, ankamen, wurden wir direkt freundlich empfangen. Bezahlt hatten wir alles schon online, daher mussten wir nur kurz einchecken und uns wiegen lassen. Nachdem wir unsere Sachen in einem überwachten Regal abgelegt hatten, gingen wir in den Vorbereitungs-Bereich. Dort bekamen wir eine Hose und eine eingepackte Schwimmweste, die man sich zur Sicherheit um den Bauch schnallen musste. Dann waren wir auch schon an der Reihe, uns den Gurt anziehen zu lassen. Wir waren eine Gruppe von 9 Leuten. Zusammen haben wir eine Sicherheitseinweisung bekommen. Die ging ziemlich schnell - wir bekamen lediglich 3 Positionen gezeigt: eine für den Sprung, eine fürs Fliegen und eine für die Landung. Mehr mussten wir zum Glück nicht wissen, denn mich haben in der Aufregung schon die 3 Positionen überfordert.

 

Als nächstes kamen die Profi-Springer zu uns, jeder Profi kam zu demjenigen, mit dem er später Springen würde und hat sich vorgestellt. Durch einen kleinen Smalltalk wurde die Stimmung gelockert, dann wurde noch ein kleines Video gedreht. Man hatte beim Buchen die Option, Bilder, Videos oder beides dazu zu buchen, ich habe die Option mit Bildern und Videos genommen. Der Profi hatte deshalb die ganze Zeit eine GoPro-Kamera an der Hand und hat mich immer wieder interviewed.

 

Wir sind dann mit einem kleinen Bus zum Flugplatz gefahren und ins Flugzeug gestiegen. Das Flugzeug war ziemlich klein, man musste auf Knien in das Flugzeug kriechen. Innen waren zwei Bänke, auf denen wir alle eng aneinander gedrückt saßen. Ich war die Erste im Flugzeug, was leider bedeutete, dass ich als Letzte springen musste. Andererseits war das Cockpit offen und da ich ganz vorne saß, konnte ich mir alles genau anschauen.

Nach ca. 15 Minuten Flug erreichten wir die Sprunghöhe von 15.000 Fuß, also 4,5 km. Sogar im Flugzeug war die Aussicht schon genial. Dann ging alles sehr schnell. Nachdem die Klappe am Flugzeug geöffnet wurde, sind alle Paare nacheinander aus dem Flugzeug gesprungen. Von ganz vorne im Flugzeug mussten wir immer nachrücken nach hinten, bis ich selbst vor der offenen Klappe saß. Im Film sieht das immer so aus, als würde man dann ein paar Minuten an der offenen Klappe sitzen und erstmal die richtige Position einnehmen, bevor man springt. Die Realität ist anders. Es waren ein paar Sekunden von dem Zeitpunkt, als ich noch auf der Bank saß bis zu dem Zeitpunkt, als ich schon aus dem Flugzeug gesprungen war. 

 

Das Springen an sich war keine Herausforderung, da das zum Glück der Profi übernimmt. Man kann es sich also nicht nochmal anders überlegen. Die Herausforderung war eher, überhaupt in dieses Flugzeug zu steigen mit dem Wissen, dass man da gleich rausspringen wird. Der erste Moment nach dem Sprung war wie ein Schock-Moment, der Kopf ist komplett leer und man schreit einfach nur. In den ersten Sekunden des freien Falls beschleunigt man, was sich eben anfühlt wie fallen. Nach ein paar Sekunden hat man aber die höchste Geschwindigkeit erreicht und beschleunigt nicht mehr, wodurch es sich dann eher anfühlt wie fliegen. Ab dem Moment kann man den Sprung und die Aussicht genießen.

Nach 60 Sekunden freiem Fall öffnete der Profi den Fallschirm. Dann hatte ich noch ca. 7 Minuten Zeit die Aussicht zu genießen, bevor wir gelandet sind. In diesen 7 Minuten konnte ich mich etwas von der Aufregung entspannen, ich musste dann auch keine bestimmte Position mehr einnehmen, sodass ich einfach die Beine baumeln lassen konnte. Die Aussicht war wirklich atemberaubend, aber schaut euch am besten einfach die Bilder an. Der Profi ließ mich dann noch ein paar Minuten lenken, bevor er zur Landung wieder die Führung übernommen hat. Die Landung war viel sanfter als ich sie mir vorgestellt habe.

Zur Agentur "Skydive Australia" kann ich nur sagen, dass wir zu 100% zufrieden waren. Die Angestellten waren alle total nett und ich habe mich sicher gefühlt in den Händen der Profis. Man muss sich bewusst sein, dass man diesem Menschen in dem Moment sein Leben anvertraut. Auch der Preis war in Ordnung, man spart auf jeden Fall einiges, wenn man das in Australien macht, anstatt in Deutschland. (Kommt natürlich auf den Wechselkurs an.) Zusätzlich haben wir jeweils einen 20$-Gutschein für den Skydive Australia Shop bekommen, in dem man Pullis und T-Shirts kaufen konnte. Da ein Top für Frauen 20$ gekostet hat, habe ich das sozusagen kostenlos bekommen. Um diesen Gutschein zu erhalten, muss man den Fallschirmsprung aber auf der eigenen Internetseite von Skydive Australia buchen (www.skydive.com.au).

 

Alles in allem bin ich total happy, das gemacht zu haben. Das Wetter war perfekt und es war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich das irgendwann nochmal in einem anderen Land mache.

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